Das Open Source Guitars-Ensemble und Studierende des Studiengangs Musikdesign der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen zu Gast in der Stadtgalerie Saarbrücken.

Saarbrücken, 27. Januar 2013. Der Schauplatz: die Stadtgalerie, zu dieser Zeit Sitz der Performance Electrics gGmbH des Künstlers Pablo Wendel. In einen weißen Staubschutzanzug gehüllt durchschreitet ein Akteur das in der „Werkskantine“ versammelte Publikum – in der rechten Hand eine Spule aus Kupferdraht führend und erkennbar auf der Suche nach etwas für die Gäste nicht näher Bestimmbaren. Die Szenerie wird elektroakustisch umhüllt von sich überlagernden Brumm-, Rausch- und Sinustönen, in Klangfarbe, Tonhöhe und Pegel changierend, dabei ohren- und augenkundig in Beziehung zu den Bewegungen des weißgehüllten ‚Laboranten’ stehend. Die Blicke ganz auf diesen konzentriert, bemerkt das Publikum erst mit Verzögerung zwei weitere in gleicher Laborkluft gekleidete Gestalten hinter zwei mit allerlei Elektronik und einem Laptop bestückten Stehpulten. Zuletzt einen Gitarristen, der mit seinem Instrument auf einem Stuhl in der Bühnenmitte Platz nimmt. Es ist der Auftakt der Uraufführung von „Electric Performance I+II“ für sechs Gitarren, drei Induktionsmikrofone, zwei Festplatten und Live-Elektronik, das Mitglieder des Open Source Guitar-Ensembles (kurz: OSG) und Studierende des Studiengangs Musikdesign der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen anlässlich der Ausstellung „Pablo Wendel – Performance Electrics“ gemeinsam entwickelt und komponiert haben.

Initial für die Kooperation gab die Ausstellung „Pablo Wendel – Performance Electrics“ in der Stadtgalerie Saarbrücken, anlässlich dieser das OSG-Ensemble von der Direktorin Dr. Andrea Jahn nach Saarbrücken eingeladen wurde. Der in Tieringen geborene Künstler Pablo Wendel reiste Anfang Dezember 2012 eigens nach Trossingen, um den OSG-Mitgliedern und Musikdesign-Studierenden eine Einführung in sein Selbstverständnis als Künstler, seine Kunst im Allgemeinen und in sein Projekt „Performance Electrics“ im Besonderen zu geben.

Als Chief Executive Officer (CEO) der Performance Electrics gGmbH produziert Pablo Wendel Strom, genauer gesagt „Kunst-Strom“. Sein Kunst-Strom unterscheidet sich von herkömmlichem Strom dadurch, dass er auf künstlerische Weise produziert und in das öffentliche Netz einspeist wird. Wendels Idee der „Kunst aus der Steckdose“ aufgreifend, haben sich das OSG-Ensemble und fünf Musikdesign-Studierende in zwei Teams zusammengetan, um mit eigenem Instrumentarium Kunststrom herzustellen und  hörbar zu machen. Die dafür von den Musikdesignern konstruierten Induktionsmikrofone fügen sich durch ihre Arbeitsweise ideal in Wendels Idee ein: Kupferdrahtspulen wandeln elektromagnetische Felder in kleinste Ströme, die künstlerisch-musikalisch verändert und durch elektrische Verstärkung über Lautsprecher hörbar gemacht werden.

Auf Basis dieser Bausteine entstanden in sechs Wochen intensiver Kreativarbeit zwei jeweils ca. 10-minütige Musikstücke. Das Stück „Electric Performance I“ der Musikdesign-Studierenden Peter Breitenbach, Jan Balzer und Smiljana Nicolic ist eine Improvisationsmusik für zwei Induktionsmikrofone, Gitarre und Live-Elektronik. Im zweiten von den OSG-Mitgliedern Robert Menczel und Matthias Arbter und den Musikdesignstudierenden Benjamin Grau und Ronald Freyenschlag entwickelten Stück „Electric Performance II“ für 6 Gitarren, zwei Induktions-mikrofone und Live-Elektronik wechseln sich komponierte und improvisierte Musik ab.

Nach rund 60 Minuten endet in der Stadtgalerie Saarbrücken das OSG-Konzert in einer fulminanten Klangwand die nach einer kurzen Ausklingphase von einem lang anhaltenden Applaus eines begeisterten Publikums abgelöst wird.