Bericht von David Heieck.

Ende Februar durften wir den slowenischen Komponisten Uroš Rojko bei uns in der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen begrüßen. Im Gepäck hatte er sein eigens für Open Source Guitars komponiertes Werk SCORDATO für Gitarrenoktett, dessen gemeinsame Erarbeitung im Mittelpunkt des Treffens stand. Mit dabei waren die Mitglieder des Ensembles, sowie unser Dirigent Helmut Österreich, unser Projektleiter Thomas Schmölz und unser künstlerischer Leiter Prof. Michael R. Hampel.

Zu Beginn des ganztägigen Workshops erzählte uns Uroš von seinem Werdegang als Musiker und Komponist. Der gebürtige Slowene studierte in Ljubljana zunächst Klarinette und Komposition. Sein Studium der Komposition setzte er später bei Klaus Huber in Freiburg, sowie bei György Ligeti in Hamburg fort. Heute lebt er abwechselnd in Berlin und Ljubljana, wo er als Professor für Komposition an der „Musikakademie Ljubljana“ arbeitet. Er sprach über die verschiedenen Stile und Techniken, die er während seiner Studienzeit in Slowenien und Deutschland kennenlernte und darüber, wie unterschiedlich die „Neue Musik“ damals in den beiden Ländern war. Anschließend demonstrierte Uroš uns einige Kompositionstechniken, die in seinen Werken häufig Verwendung finden, anhand von Hörbeispielen und Tafelbildern.

Natürlich kam Uroš auch auf seine bisherigen Werke für Gitarre, insbesondere auf „Chiton“ und „Passing Away On Two Strings“ zu sprechen, die den Mitgliedern des Ensembles seit den „4. Trossinger Tagen für Neue Gitarrenmusik“ im Jahr 2013 gut im Gedächtnis sind – beide Stücke wurden zu diesem Anlass von Studenten der Trossinger Gitarrenklasse aufgeführt. Nach dieser Einführung begannen wir mit der Arbeit an SCORDATO. Dieses achtstimmige Stück für sechs akustische Gitarren und zwei Akustische Bassgitarren zeichnet sich schon auf den ersten Blick durch seine mikrotonale Machart aus. Die Mikrotonalität wird durch das Umstimmen der Saiten der Gitarre erreicht. Zunächst wird die tiefe E-Saite auf A1 runter gestimmt. Dann wird zusätzlich zu dieser Skordatur jede Gitarre um 1/8-Ton tiefer gestimmt als die vorherige. Aus diesem Verfahren (it: scordare = umstimmen) ergibt sich auch der Titel SCORDATO.

Die erste Herausforderung für uns war also, die Gitarren in die gewünschte Stimmung zu bringen. Mit Hilfe der feinen Ohren unseres Dirigenten Helmut Österreich – und unter Zuhilfenahme verschiedener Stimmgeräte – war diese Hürde bald genommen. In den folgenden Stunden vor und nach dem gemeinsamen Mittagessen wurden dann verschiedene Stellen und Abschnitte des Stücks ausprobiert, durchgehört und geprobt. Uroš war dabei stets aufgeschlossen gegenüber Anregungen und Ideen zur Realisierung des Stückes. Zwischendurch bekamen wir Besuch von unserer studentischen Hilfskraft Lucy, die für die Videoaufnahmen bei Open Source Guitars verantwortlich ist. Wir hoffen also, bald auch Videomaterial von unserem Workshop präsentieren zu können.

 

Für diesen spannenden Workshop und das tolle Stück SCORDATO gilt unser Dank natürlich an erster Stelle Uroš Rojko, den wir hoffentlich bald einmal wieder in Trossingen begrüßen dürfen! Außerdem danken wir Helmut Österreich für die Leitung der Probenarbeit am Tag des Workshops und in unseren regelmäßigen Proben. Thomas Schmölz danken wir für die Organisation des Workshops und den reibungslosen Ablauf. Prof. Michael R. Hampel danken wir für das gesamte Projekt „Open Source Guitars“.